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Mittwoch, 25. Juni 2014: Mably - Nolay (135 km, 800 hm; wolkenlos am Morgen, später Quellwolken, warm)

Sein Name und die Karte an der Wand weisen darauf hin, dass der Hotelier Portugiese ist. Und so ist es. Er kommt ins Schwärmen von seiner Heimat, nur das Fußballteam findet er arrogant. Portugal, das scheint mir ne gute Idee für meine nächste Radreise.

Bei wolkenlosem Himmel und einem lauen Gegenwindchen fahre ich auf anfangs leider viel befahrener Straße los. Ziemlich flach alles. Unspektakuläre Landschaft, aber angenehm.

Marcigny ist hübsch und lebendig. Ich trinke einen Kaffee. Paray-Le-Monial ist aufgemotzt schön, ruhig, wartet auf die Touriströme. Es gibt eine Basilika und, wichtiger, eine Eisdiele, die aber, es ist 12 Uhr 30, gerade schließt. Ich bekomme gerade noch ne Waffel mit Caramel au beurre salé und Cassis.

Bis Montchanin geht es jetzt megaflach am Canal du Centre entlang, der Loire und Saone verbindet. Die Sonne scheint, die Bilderbuchwolken spiegeln sich im Wasser, meine Weg begleiten hübsche Häuschen und Hausboote, Schlösschen und Schleusen. Und das Gefühl, mich sehr auf Zuhause zu freuen.

Montchanin ist stinknormal. Danach wird es wellig, ich komme in die Bourgogne. Auch hier scheint die Welt in Ordnung. Kuhherden weiden so vor sich hin, meist auch ein Bulle dabei. Nolay ist etwas touristisch. Hier bleibe ich im Hotel de la Halle, von Franzosen geführt (70 €), sehr hübsches Zimmer.


Donnerstag, 26. Juni 2014: Nolay - Auberive (135 km, 1.200 hm; sonnig und warm)

Ich bin in der abenteuerlichen Auberge l'Abbatiale in Auberive gelandet. Hier könnte man unmittelbar den 'Namen der Rose' drehen. Uralte Gemäuer, verwinkelte Gänge und Treppen, Gobbelins an den Wänden, riesiger Kamin, viel altes Einrichtungszeugs. Es gibt repräsentative Zimmer mit Himmelbetten. Meines ist bescheidener, aber für mich als Rennradfahrer ideal: die Türe ist etwa 1,50 m breit und genauso hoch, so dass ich in Unterlenkerhaltung gut durchpasse. Das Bad ist hypermodern, mit so ner Dusch-Massage-Anlage an der Wand. Es funktioniert aber nur die Regenbrause, muss ich hier beichten.

Morgens ging es los, wellig bis zum oberen Einstieg ins Ouche-Tal. Sanft geht es bergab auf verkehrsarmen Straßen. Gelegentlich ein LKW, okay, muss auch mal sein. Heute geht es überwiegend durch sanfte Hügellandschaft, geprägt durch Weiden, mehr oder weniger reife, teils auch schon abgeerntete Getreidefelder, auch reife Raps- und junge Maisfelder sind dabei, Wälder und Gehölzstreifen. Von der Einsamkeit und Ruhe bin ich begeistert und berührt. Auch von der Schönheit der oft menschenleeren Dörfer. Ab und zu taucht unerwartet ein Schlösschen oder repräsentatives Anwesen auf. Alles ganz alleine für mich, wie schön.

Aus dem Ouche-Tal geht es etwas rauf. Bei Panges führt mich mein GPS auf ein schmales, schedderiges Sträßchen. Da ich den Typen kenne, der es gefüttert hat, vertrau ich ihm mal, obwohl die normale Straße nicht schlecht aussieht. Das Sträßchen führt mich ins Val Suzon. Zahlreiche Radler kommen mir entgegen, Autos fast keine. Das Tal mündet bei Messigny-et-Ventoux in eine weite, leicht gewellte Ebene. Durch die Getreidefelder schlängelt sich eine Straße, begleitet von einzelnen Bäumen. Der Himmel ist mit Wolken betupft. Wie gemalt.

Wenige Kilometer weiter hört der Spaß auf. Auf einem Schild stellt sich 'Molosse' vor, ein Dobermann. Er ermordet jeden Eindringling. Ich guck im dictionaire nach: mordre heißt nur beißen.

Bis Is-sur-Tille muss ich 5 km auf einer vielbefahrenen, besser gesagt -beheizten Straße fahren. Im Ort finde ich kein nettes Café für ne Pause, aber einen Früchteladen, der auch leckeren Käse hat. Ich esse alles im Park der Stadt auf und radle das Tilletal hoch. Einsamkeit pur. In der späten Nachmittagssonne leuchten die Felder, Wiesen und Weiden. Das Getreide reift ganz unterschiedlich, so dass die Felder unterschiedlichste Farbtöne zeigen. Die Kuhherden bleiben auf ihren riesigen Weiden immer ganz kuschelig beieinander.

Oben endet das Tilletal in einem Hochplateau, von dem mein Weg plötzlich in ein steiles Tal anfällt. Bald darauf bin ich in Auberive und finde die Unterkunft, von der ich vor zehn Jahren schon mal angetan war (60 €). Der freundliche Hotelier bringt mir gleich das gewünschte große Bier, regionale Produktion, hefetrüb, refermentée au miel, lecker, www.la-choue.com. Er ist gesprächig, ist schon 50 Marathons gelaufen, in New York unter drei Stunden, einmal 100 km in 9 und einmal 201 km in 24 Stunden. Alle Achtung.


Wie viele Räder hat ein Dreirad?
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