Welche Rahmen kommen denn nicht aus Fernost?
Moin,
@marinman:
aus deinen bisherigen Beiträgen in diesem Thread habe zumindest ich den Eindruck gewonnen, daß du über Dinge sprichst, von denen du etwas verstehst und außerdem einen festen Standpunkt hast, den du mit sachlichen Argumenten untermauerst.
Da ich auch seit einiger Zeit auf der Suche nach einem "richtigen Rennrad" bin und trotz zahlreicher Besuche in Geschäften (reale oder viruelle) immer nur noch unentschiedener werde hier mal vielleicht meine Frage, welche Rahmen denn nun tatsächlich z.B. in Deutschland bzw. Europa zusammengeschweißt bzw. "-gebacken" werden? Ich war ja tatsächlich bisher so naiv, daß ich bei deutschen Herstellern auch eine deutsche Rahmenproduktion annahm - dem ist ja aber offenbar nicht so, wie ich hier lesen konnte.
Als eingefleischter Italo-Fan (bisher allerdings eher wegen des tollen Landes, dem genialen Essen und den sympathischen Leuten :dope: ) habe ich mir natürlich auch schon mal den einen oder anderen Italo-Rahmen "in echt" angeschaut.
Allerdings verwirren mich als (rad-)technischer Laie gerade beim Colnago-Carbonrahmen die Muffen, die zum Verbinden der Rohre eingesetzt werden. Besonders hübsch finde ich die nicht und davon abgesehen frage ich mich, warum man die bei Carbon braucht, wo doch sonst gerade bei diesem Material die unbegrenzten Möglichkeiten bei der Formgebung als herausragende Eigenschaft und Vorteil z.B. gegenüber Alu oder auch Titan gerühmt werden.
Außerdem bin ich auch bei den "gemixten Rahmen" - also Carbonhinterbau am Alurahmen - weiterhin skeptisch: Der Übergang Alu - Carbon ist doch bestimmt herstellungstechnisch nicht ganz ohne und wie sieht es mit der Langlebigkeit dieser Verbindung aus? Außerdem ist auch hier oft die Optik durch das "Muffen-Feeling" (z.B. bei den De Rosas, aber auch z.B. beim Stevens Criterium) für meinen persönlichen Geschmak verhunzt. Leider konnte ich noch keinen direkten Vergleich eines Rades mit bzw. ohne Carbonhinterbau erfahren. Die Optik ist natürlich nur die eine Sache - wenn das im Fahrverhalten wirklich zu spürbaren Verbesserungen führt - warum nicht?
Überhaupt werde ich das Gefühl nicht los, daß viele Dinge schlicht nur gemacht werden, um sich möglichst augenfällig von der Konkurrenz zu unterscheiden (De Rosa Tango - da denkt doch jeder, das hat zu lange in der Sonne gelegen :spinner: ), oder für das neue Modelljahr irgendwelche technischen Gimmicks einzuführen, mit zum Teil zweifelhaftem Nutzwert, ich denke da z.B. an diese kombinierten Brems-/Schalthebel von
Shimano :kotz:
Jedenfalls fällt es mir ziemlich schwer, mit scheinbar einfachen Vorgaben das "richtige" Rad zu finden (okay - ich weiß, daß es je nach Anwendungszweck immer irgendwo ein Kompromiß ist) :
1. Ich will damit trainieren, einige Jedermannrennen / RTFs und vielleicht auch mal einen Triathlon fahren (ca. 8-10tkm im Jahr) und mir ist klar, daß ich in diesem Leben nicht mehr um vordere Plätze fahren werde
2. es sollte einen hinreichend stabilen und moderat leichten Rahmen im klassischen Design haben, den es möglichst in einer Geometrie gibt, die zu mir paßt. Da ich mit 1,75m / 69kg ganz und gar durchschnittlich bin, sollte das eigentlich nicht das Problem sein und ja - ich nehme 100gr Mehrgewicht und auch etwas mehr hin, wenn es nur die Gewichtsersparnis für viele hundert Euro Aufpreis wäre. Ein solider Alurahmen hat für mich nach wie vor nichts von seinem Reiz verloren, gegenüber einem verkorksten, Hauptsache-anders-als-die-anderen"-Carbonrahmen. Mal von der Form ganz abgesehen: wenn ich mir das Carbon von meinen Look-Keo-Pedalen nach jetzt ziemlich kurzer Zeit so anschaue, bin ich doch eher skeptisch was die Langlebigkeit von dem Zeugs betrifft. Aber sicher ist das was ganz anderes als bei den Carbon-Rahmen ....
3. möglichst wenige Teile sollen aus China / Taiwan kommen. Iich habe natürlich nichts gegen diese Länder, aber die in diesem Thread vorgebrachten Argumente zum Thema Qualitätssicherung würde ich auch unterschreiben und zwar nicht nur im Fahrrad-Sektor! Und ja ich weiß - Schrott wird auch hier zusammengemurkst.
4. die möglichen Farbvarianten sind natürlich auch wichtig - schließlich hat man doch schon eine ganze Menge Klamotten, die zusammen mehr als so manches Komplettrad gekostet haben und die man schließlich noch weiter tragen möchte
5. das ganze sollte einigermaßen langlebig und nicht übertrieben mimosenhaft sein (ich will schließlich damit fahren und nicht bei jedem hochfliegenden Steinchen Kopfschmerzen wegen dem Lack bekommen oder alle paar hundert Kilometer
den großen Werkzeugkoffer holen müssen usw.)
6. für Dinge, dessen Mehrwert ich nachvollziehen bzw. er-fahren kann bin ich definitiv bereit, auch mehr Geld auszugeben, für einen Namen alleine eher nicht (von mir aus muß auf dem Rahmen garnix draufstehen -
<Ironie>ich kann ja alternativ den Endpreis raufschreiben, daß ist es am Ende doch eh nur, was zählt

</Ironie>)
7. Ich würde es gerne bei einem Händler in und um Hamburg kaufen, aber hier kommt das nächste Problem: Ich habe schon einige aufgesucht, aber so richtig überzeugen konnte mich bisher keiner. Vorwerfen tue ich keinem was - schließlich bin ich leider auch oft erst nach der Arbeit (also häufig erst 'ne Stunde vor dem jeweiligen Ladenschluß) dort aufgelaufen, aber am Samstag sieht es ja meistens auch nicht besser aus - viele wartende Kunden, wenige Verkäufer, da ist natürlich ein intensives Gespräch schwer möglich. Aber soll ich extra Urlaub nehmen?
Naja - bis zum Frühling ist es ja noch eine Weile hin, da habe ich ja noch massig Zeit um mich umfassend zu informieren und das eine oder andere auszuprobieren, in diesem Sinne ...
Ciao -Thomas I.