Wie bereitet sich eine Ex-Mountainbike-Profifahrerin auf ein Gravel-Etappenrennen vor? Mit Skitouren – und zu wenig Training. Nathalie Schneitter fährt im Juni die Tortour Cyclocross Summer Edition und wird darüber auf Rennrad-News berichten. Hier gibt sie einen Einblick in ihren Weg dorthin, auf dem sie auch Jolanda Neff ein Stück begleitete.
In drei Wochen heisst es für mich mal wieder richtig in den Lenker beissen. Ich starte bei der Erstausgabe der Tortour Cyclocross Sommer Edition und das bedeutet drei Tage lang volle Kanne in die Pedale treten.
- Mein Ziel: Natürlich will ich aufs Treppchen steigen – Ehrgeiz habe ich als ehemalige Profi-Mountainbikerin genug!
- Bisheriger Trainingsumfang: Fleissig Skitouren im vergangenen Winter. Die bis dato geradelten Fahrradkilometer beschränken sich auf 3 Ausfahrten mit dem Mountainbike.
- Das Problem: Versteht sich von selbst, oder?
Bei schlechtem Wetter oder nach einem langen Tag im Büro noch mein Stahlross zu satteln, das läuft bei mir nicht ohne Ziele. Genau hier soll mir in diesem Jahr die Tortour Cyclocross helfen. Ich habe mir ein Rennen herausgepickt, welches einiges an Vorbereitung erfordert und zugleich eine große Portion Spaß verspricht. Natürlich mit dem praktischen Nebeneffekt, dass auch mein Fitnesslevel wieder auf Vordermann gebracht wird.
Obwohl das Rennen auch als Team bestritten werden kann, habe ich mich entschieden, als Einzelkämpferin anzutreten. Ich freue mich, mal wieder ganz auf mich selber gestellt zu sein und die Achterbahn der Gefühle, die Etappenrennen mit sich bringen, alleine zu bewältigen. In der Vorbereitung ist Gesellschaft als Motivation aber natürlich herzlich willkommen. Und damit ist nicht nur mein treuer Trainingsbegleiter, das Trek Checkpoint ALR 5 Gravelbike, gemeint.
Die Tortour Cyclocross ist ein Gravelevent und Etappenrennen. Sie erstreckt sich über 3 Tage und verlangt von den Teilnehmern verschiedenste Fähigkeiten auf dem Rad. Am Freitag 1. Juni 2018 geht es mit einem knackigen Prolog über 20 Kilometer und 300 Höhenmeter los. 8 Runden á 2,5 Kilometer auf Singletrails, breite Waldstrassen, schmale Schotterwege sowie kurze Asphalt-Partien. Und das alles in schnellem Wechsel. Wenn mir da nur nicht schwindlig wird!
Nach dem Prolog werden Beine und Lungen brennen und am Tag darauf heißt es bereits bei Sonnenaufgang: Achtung, Fertig, Los! Auf 102 Kilometer gilt es 1750 Höhenmeter zu bewältigen. Auf der ersten Hälfte der Etappe verspricht zwar der Ausblick auf die eindrucksvolle Alpenkette des Napfgebietes, die Anstrengungen zu versüßen. Im zweiten Teil der Runde zeigen dann aber die täuschend sanften Hügel auf der nördlichen Seite des malerischen Sempachersees die Tortour von ihrer wahren Seite.
Etappe drei verspricht dann kilometerlange Schotterstraßen durch Wälder, über Wiesen und Felder, die zum Tempobolzen verleiten werden. Die Anstiege sind rhythmisch auf die ganze Etappe verteilt. Die 1350 Höhenmeter auf 72 Kilometer müssen aber erst bezwungen sein, bevor man ins Ziel fährt.
Drei lange Touren habe ich jetzt in den Beinen und einen Ruhetag habe ich dringend nötig. Natürlich reichen drei Wochen Training nie und nimmer, um top vorbereitet am Start dieser Tortour Cyclocross zu stehen. Aber drei Wochen Training sind besser als nichts und ich freu mich schon, hier auf rennrad-news.de von meinen Erlebnissen zu berichten.
Infos zur Tortour Cyclocross Summer Edition
Die Ursprünge der Tortour Cyclocross liegen eigentlich im Winter. Sie ist das einzige uns bekannte Mehrtages-Cyclocross-Event – oder auch Gravelrace – in der Cyclocross Saison, und sie gilt als ausgesprochen hart. Die Tortour Cyclocross Summer Edition findet in diesem Jahr zum ersten mal statt: vom 1.-3. Juni 2018 in der Schweiz am Sempachersee . Die Anmeldung läuft noch bis zum 20. Mai 2018. Interessierte können sich hier informieren: www.tortour.com
Über die Autorin
Nathalie Schneitter startete ihre internationale Mountainbike-Karriere im Jahr 2004 mit dem Gewinn des Cross-Country-Weltmeistertitels bei den Juniorinnen. Seither ist sie Vollgas auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. 2008 qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele in Peking, und 2010 sicherte sie sich den Heimsieg beim Cross-Country-Weltcup in Champéry. Vollgas gibt Nathalie auch neben der Rennstrecke: Sie lacht viel, ist ein bisschen verrückt und tanzt in jeder möglichen Situation. Seit Herbst 2016 ist sie Messeverantwortliche im Organisationsteam der Bike Days in Solothurn und des Urban Bike Festival in Zürich. Seit dieser Saison spricht sie auf Red Bull TV auch den Deutschen Co-Kommentar des Cross Country Weltcup (4 von 7 Rennen). Für Rennrad-News berichtet sie über die Tortour Cyclocross Summer 2018. Sonst schreibt sie auf: www.nathalieschneitter.wordpress.com