Es gibt noch einen kürzeren Test: 4 Minuten All Out. Anhand dessen gibt es für Langdistanzen wohl einen guten Wert.
Das ist schon putzig, wie der Roy Hinnen hier mit seinem esoterisch erscheinenden 4-Minuten-Test daherkommt und diesem seinen Roy-Hinnen-Marketing-Stempel aufdrückt... Die Maike Maurer, die ihn interviewt, kenne ich persönlich. Sie ist wirklich nett und geduldig beim Interview.
Es ist seit Jahren bekannt, wie man aus der FTP realistische Leistungswerte für die Radsplits all der verschiedenen Triathlon-Wettkampfdistanzen ableitet. Das mache ich. Das machen andere. Das steht in Büchern. Ich bin das erste Mal bei Coggan darauf gestoßen. Und das Thema wird auch bei Triathlon-Szene.de gut und ausführlich beschrieben. Wie das funktioniert ist also lange bekannt. Auch wenn der Hinnen hier so tut, als wäre er der einzige, der's kann.
Aber eine Herleitung aus einer 4-Minuten-Maximalleistung ist eben ungenauer als eine Herleitung aus der FTP. Einfach, weil die anaerobe Kapazität bei einem doch sehr kurzen 4-Minuten-Test anteilsmäßig noch eine deutliche Rolle spielt. Das wurde auch hier im Forum schon oft besprochen.
Wenn ich in meine eigenen Tabellen schaue, sehe ich, dass Hinnen offenbar von einem mittleren Athleten (einem Allrounder ohne besondere Ausdauerskills oder Sprintskills) ausgeht und dann durchaus korrekt aus der 4-Minuten-Leistung die 20-Minuten-MMP hochrechnet. Daraus lässt sich also für den "Allrounder", die ungefähre FTP und auch die ungefähren Wettkampfleistungen ableiten. Im Videobeispiel nimmt Hinnen in der Folge aus der Range denkbarer Wettkampfleistungen die unterste Unterkannte. Das ist sozusagen das, was man als trainierter Triathlet problemlos schaffen sollte. Ein Profi, der in unter 8 Stunden seine Langdistanz macht, wird sich natürlich in der Range des nach Coggan errechneten Leistungsspektrums höher befinden, als ein Hobbysportler, der vielleicht 14 Stunden braucht. Hinnen wählt im Video den untersten Leistungsbereich. Dennoch braucht es für einen Ironman natürlich ein konsequentes Ironman-Training. Es wäre fatal, wenn ein schlecht trainierter Sportler glauben würde, einfach anhand des Roy-Hinnen-4- Minuten-Tests auf die Ironmandistanz hochrechnen zu können.
Kurz gesagt, das Ergebnis von Hinnen spricht durchaus für Realitätsnähe, ist aber einfach ein wenig schlechter, als die gängige Ableitung von der FTP.