wordman_martin
Aktives Mitglied
- Registriert
- 18 Januar 2020
- Beiträge
- 44
- Reaktionspunkte
- 115
Guten Abend,
nach einer verschiedenen unschönen Umständen geschuldeten langen Abwesenheit melde ich mich heute mit einem Scheunenfund zurück. Das Rad gehört seit über 20 Jahren einer Freundin und wurde die letzten 14 Jahre sicher nicht mehr gefahren. Es staubte in Scheune und Keller vor sich hin. Der Zustand ist entsprechend bemitleidenswert. Die Lager drehen noch, aber Schaltung und Bremsen sind fest. Der Lack ist matt und hat viele kleine Schäden. Die linke Sattelstrebe ist Richtung Hinterrad eingedrückt.
Ansonsten ist das Rad wohl weitgehend original, einschl. der Helicomatic-Nabe mit Sachs Rival-Schaltwerk und den Weinmann-Bremsen. Was wohl nicht passt, ist der Schalthebel "Commander" und das Einfach-Kettenblatt. Das Schaltwerk wird bei "Disraeli Gears" eingeordnet um das Baujahr 1987, das passt zur kurzen Helicomatic-Phase.
Das Rad hat eine interessante Geschichte: Die Freundin bekam es während des Studiums in Rostock von ihrem damaligen Partner geschenkt, der hatte es von einem Kollegen, der in einer karitativen Fahrradwerkstatt aushalf. Mehr war nicht bekannt. Auf dem Rahmen klebt allerdings ein Händler-Aufkleber, und siehe da, den Händler in der Nähe von Frankfurt/Oder gibt's noch, also rief ich an, und der freundliche Herr war gleich am Apparat und hatte auch noch Zeit. Nach einiger Weile und ein paar Fotos konnte er sich wieder an das Rad und dessen Geschichte erinnern. Es war 1990, und der damals noch junge Mann begann, ein Fahrradgeschäft aufzubauen. Um zu lernen, wie das im "Kapitalismus" geht, absolvierte ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Fahrradhändler Nemtschevsky (oder so ähnlich) in Berlin in der Mommsenstraße. Von dort holte er sich für sein Geschäft irgendwann einen Anhänger voll Fahrräder, darunter das Motobecane. Dieses verkaufte er dann im Sommer 1991 an eine junge Frau für immerhin 840 DM - das muss damals sehr viel Geld gewesen sein für ein Fahrrad. Weil der Händler ein sehr akribischer Mensch ist, hatte er stets gründlich Buch geführt und nie etwas weggeschmissen. Wir erzählten eine dreiviertel Stunde. Fahrradgeschichten, Wendegeschichten. Er versprach, in seinen Unterlagen nach einem Hinweis auf das Rad zu suchen. Nach einer halben Stunde erhielt ich eine Mail mit Kopie der Originalrechnung von 1991! Der Händler hat noch Kontakt zu einer Freundin seiner ehemaligen Kundin und wird sie kontaktieren, um die weitere Geschichte zu rekonstruieren. Es könnte sein, dass die Kundin die Schwester des damaligen Mitarbeiters der karitativen Fahrradwerkstatt ist, die Nachnamen sind gleich, wie die jetzige Besitzerin sich erinnert.
Wir wissen jetzt nur nicht so richtig, was mit dem Rad machen. Fahrbar ist es nicht, und ob sich die Sattelstrebe rückformen lässt, weiß ich nicht. Da müsste man also viel Liebe und auch Geld investieren. Andererseits hat das Rad auch eine emotionale Bedeutung. Ich überlege, es für die Freundin alltagstauglich herzurichten - wie auch immer sich das dann darstellt.
Ich finde die Geschichte des Rades interessant und wollte sie deshalb gern mit euch teilen. Vielleicht habt ihr Ideen, Vorschläge oder Meinungen dazu?
Herzliche Grüße
Martin
nach einer verschiedenen unschönen Umständen geschuldeten langen Abwesenheit melde ich mich heute mit einem Scheunenfund zurück. Das Rad gehört seit über 20 Jahren einer Freundin und wurde die letzten 14 Jahre sicher nicht mehr gefahren. Es staubte in Scheune und Keller vor sich hin. Der Zustand ist entsprechend bemitleidenswert. Die Lager drehen noch, aber Schaltung und Bremsen sind fest. Der Lack ist matt und hat viele kleine Schäden. Die linke Sattelstrebe ist Richtung Hinterrad eingedrückt.
Ansonsten ist das Rad wohl weitgehend original, einschl. der Helicomatic-Nabe mit Sachs Rival-Schaltwerk und den Weinmann-Bremsen. Was wohl nicht passt, ist der Schalthebel "Commander" und das Einfach-Kettenblatt. Das Schaltwerk wird bei "Disraeli Gears" eingeordnet um das Baujahr 1987, das passt zur kurzen Helicomatic-Phase.
Das Rad hat eine interessante Geschichte: Die Freundin bekam es während des Studiums in Rostock von ihrem damaligen Partner geschenkt, der hatte es von einem Kollegen, der in einer karitativen Fahrradwerkstatt aushalf. Mehr war nicht bekannt. Auf dem Rahmen klebt allerdings ein Händler-Aufkleber, und siehe da, den Händler in der Nähe von Frankfurt/Oder gibt's noch, also rief ich an, und der freundliche Herr war gleich am Apparat und hatte auch noch Zeit. Nach einiger Weile und ein paar Fotos konnte er sich wieder an das Rad und dessen Geschichte erinnern. Es war 1990, und der damals noch junge Mann begann, ein Fahrradgeschäft aufzubauen. Um zu lernen, wie das im "Kapitalismus" geht, absolvierte ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Fahrradhändler Nemtschevsky (oder so ähnlich) in Berlin in der Mommsenstraße. Von dort holte er sich für sein Geschäft irgendwann einen Anhänger voll Fahrräder, darunter das Motobecane. Dieses verkaufte er dann im Sommer 1991 an eine junge Frau für immerhin 840 DM - das muss damals sehr viel Geld gewesen sein für ein Fahrrad. Weil der Händler ein sehr akribischer Mensch ist, hatte er stets gründlich Buch geführt und nie etwas weggeschmissen. Wir erzählten eine dreiviertel Stunde. Fahrradgeschichten, Wendegeschichten. Er versprach, in seinen Unterlagen nach einem Hinweis auf das Rad zu suchen. Nach einer halben Stunde erhielt ich eine Mail mit Kopie der Originalrechnung von 1991! Der Händler hat noch Kontakt zu einer Freundin seiner ehemaligen Kundin und wird sie kontaktieren, um die weitere Geschichte zu rekonstruieren. Es könnte sein, dass die Kundin die Schwester des damaligen Mitarbeiters der karitativen Fahrradwerkstatt ist, die Nachnamen sind gleich, wie die jetzige Besitzerin sich erinnert.
Wir wissen jetzt nur nicht so richtig, was mit dem Rad machen. Fahrbar ist es nicht, und ob sich die Sattelstrebe rückformen lässt, weiß ich nicht. Da müsste man also viel Liebe und auch Geld investieren. Andererseits hat das Rad auch eine emotionale Bedeutung. Ich überlege, es für die Freundin alltagstauglich herzurichten - wie auch immer sich das dann darstellt.
Ich finde die Geschichte des Rades interessant und wollte sie deshalb gern mit euch teilen. Vielleicht habt ihr Ideen, Vorschläge oder Meinungen dazu?
Herzliche Grüße
Martin