Am nächsten Tag legte die Fähre gegen 10:00 Uhr in Dublin an. Als ich aus dem Hafen rauskam, entdeckte ich gleich einen Lidl und ich stockte meine Vorräte auf. Bis zum vorgebuchten Zimmer in einem Pub hatte ich 125km vor mir. Der Linksverkehr war am Anfang ungewohnt aber beherrschbar und ich kam Nachmittags am Pub an. Als ich die Tür zum Pub öffnete, schlug ich erst mal die Türe einem Iren in den Rücken. Der gesamte Pub war voll mit Menschen. Alle hatte ein Bier in der Hand und schauten Pferderennen. Ich wurde herzlich begrüßt und sollte gleich ein Bier trinken. Der Wirt rettete mich dann und erklärte mir wo mein Zimmer war und wo ich mein Rad abstellen konnte. Was für ein erster Eindruck. Alle Iren super nett und hilfsbereit und immer für einen Spaß zu haben.
Der nächste Morgen brachte typisches irisches Wetter mit sich. Regen und Wind. Ich hatte bis Derry dem Startort noch 115km to go. So gewöhnte ich mich gleich an das Wetter. Ich kam am frühen Mittag völlig durchnässt in Derry an und konnte meine Bleibe für die nächsten Tage gleich beziehen. Im Quay 8 in Derry hatte eine gute und günstige Unterkunft gefunden, welche nicht weit vom Start entfernt war.
Es war der 4. August. Einschreiben und Riders Meeting waren am 7. August. und der Start am 8. August. Ich wollte ausruhen und ein paar relaxte Kilometer auf dem Rennrad verbringen. Da es immer wieder viel regnete, war ich mehr am ausruhen und spazieren, als mit dem Rad unterwegs. Derry ist sehr interessant und bietet viel Geschichte. "Sunday bloody Sunday" und viele Freiheitskämpfe gegen die Besatzer.
Das Ridersmeeting war kurz und wir bekamen die letzten Infos sowie Riderscap und eine Tasse und ein T-Shirt. Es gab ein Gepäcktransport bis zum Ziel und so konnte ich einige Sachen in den Rucksack machen, welchen ich dann im Ziel wieder übernehmen würde.
Am nächsten Morgen war der Start um 5:00 Uhr früh. Vor dem Start gab es noch ein gemeinsames Foto und dann rollten wir gemeinsam aus Derry heraus bis das Rennen frei gegeben wurde.
Schnell verteilte sich das Feld aus ca 50 Startern davon 3 Frauen. Das Wetter war super und die ersten Kilometer ging es flach dahin. Es entstanden kleine Gruppen und ich führte ein paar Gespräche. Nach ca 20 Kilometern ging es links ab in den ersten Hügel hinein und die Gruppen zersprengten sich recht schnell und jeder fuhr sein eigenes Tempo.
Die Hügel waren kurz und steil und bis zum ersten Checkpoint ging es immer rauf und runter. Die Szenerie war wunderschön. Es gab immer wieder Ausblicke auf das Meer und wir fuhren gefühlt an jeden Strand runter und danach wieder rauf. An der "Bench of Hope" hielt ich kurz an und fühlte meine Flaschen an der dortigen Wasserstation auf. Ich hatte das Ziel um 11:30 Uhr eine Fähre zu bekommen, da ich sonst 1,5 Std Pause bis zur nächsten Fähre gehabt hätte. An der Fährstation traf ich auf viele andere Rider. Die Fähre fuhr ca 15min. Als ich von der Fähre kam, suchte ich mir einen Bäcker und kaufte Proviant für die kommenden Kilometer ein.
Kurz nach der Fähre konnte ich rechts zwar Schalten, aber die Kette blieb nicht auf dem Ritzel sondern viel immer auf das 11er Ritzel zurück. Erst dachte ich, dass der Seilzugb gerissen ist, aber der war vor dem Rennen extra getauscht worden. Aber mir blieb es ein Rätsel, was kaputt sein sollte. Durch Zufall traf ich auf das Media Car mit dem Fotografen und Adrian dem Veranstalter. Sie halfen mir mit einem kurzen Stöckchen den Schaltarm zu fixieren, so dass ich weiter fahren konnte. Ich hatte jetzt 2 statt 22 Gängen. Hinten schalten war ja nicht möglich und vorne hatte ich zumindestens noch das 50er und das 34er Blatt. So rollte ich langsam da hin und überlegte meine Möglichkeiten. Klar war, dass in den nächsten Kilometern kein Radladen kommt und ich somit auf jeden Fall bis zum nächsten Tag würde so weiter fahren müsste. Der Veranstalter rief am ersten Checkpoint noch einen fahrbaren Radmechaniker an, doch der lehnte aufgrund der vielen Kilometer seine Hilfe ab, was ich gut verstehen konnte. Also fuhr ich weiter und versuchte mich an den 2 Gang Modus zu gewöhnen. Die ganzen steilen Hügel musste ich nun im Stehen bergauf fahren und teilweise mit richtig viel Watt, denn sonst hätte ich schieben müssen. In der Ebene oder bergab konnte ich kein Tempo machen, da mir die Gänge fehlten. Nun ja ich dachte solange ich vorwärts komme ist alles gut.
Es begann dann zu regnen und ich zog meine Regenklamotten an. Gegen 23 Uhr wurde ich immer müder und ich hatte ca 270km auf dem Tacho und beschloss mir eine Biwak Platz zu suchen. Ich fand einen alten Pub. Der Eingang war überdacht und seitlich zur Straße, so dass er nicht direkt einsehbar war. Also Isomatte aufgepumpt und Schlafsack rausgeholt und rein in den Biwak Sack. Kurz noch was gegessen und nach 286km mit 3760Hm war dann auch gut.
An Tag 2 klingelte der Wecker um 4:30 Uhr und ich zog mich an und fuhr los. In der Nacht hatte ich bemerkt, dass meine Isomatte die Luft verliert und der Betonboden recht hart war auf dem ich lag. Tagsüber gab es immer wieder Sonne und Regen und ich habe mich gefühlt 10 mal am Tag umgezogen. So langsam verstand ich das irische Wetter besser. Da der Transatlantik Way immer wieder die Richtung wechselt, so wechselt auch das Wetter. Die Küstenstraßen waren wunderschön und ich kam aus dem Staunen nicht raus. Es wechselten sich kleine gewunden Straßen mit sehr kleinen Straßen ins nirgendwo ab. Der TAW bietet die Möglichkeit eine kurze Strecke mit ca 1300km zu fahren oder eine lange mit 2400km. Ich war auf der langen Strecke angemeldet und wollte diese auch fahren. Die beiden Strecken treffen immer wieder aufeinander. Die lange Strecke hat immer wieder Dead Ends ohne Cakes mit fantastischen Ausblicken und wunderschönen Stränden. Es war sehr windig und es gab nur sehr kleine Dörfer durch die ich kam. Kein Radladen. Ich hatte mir den ersten Radladen bei km 640 notiert. In Killysbeg, einer größeren Stadt, fragte ich nach einem Radladen. Sie meinten in Ardara gäbe es einen. Also rief ich dort an und der Mann meinte ich solle vorbeikommen. Dort stellten wir fest, dass meine Shifter Einheit gebrochen war. Er meinte er habe irgendwo einen passenden rumliegen und könnte diesen dann einbauen. Nach kurzer Zeit merkten wir aber, dass er doch keinen passenden Shifter hatte und so machte ich mich wieder auf den Weg. 30km Umweg, aber zumindestens wusste ich jetzt was kaputt war.
Biwak abends draußen im Wald auf einem Nebenweg. Sternenklare Nacht. Luma verliert Luft. Der Tag war war der Hammer. Tolle Ausblicke und krasse Straßen. Die Leute sind super freundlich und immer wieder ein paar TAW Teilnehmende getroffen.
263km und 3894 Hm geschafft mit 2 Gängen.
Tag 3
Mein Wecker klingelte wieder um 4:30 Uhr und ich traf kurz nach dem losfahren auf 2 TAW Teilnehmende. Ich sollte die beiden noch öfters treffen. Sie übernachteten in BB"s und durch meinen 2 Gänge Rhythmus hatten wir unterschiedliche Durchschnittesgeschwindigkeiten.
Heute sollte ich nach Sligo kommen, wo es 3 Radgeschäfte gab. Vorher jedoch gab es eine Traumstrecke durch die Berge bis Sligo. So wunderschön und dazu noch Sonne und Regen. Was will man mehr. Gegen Mittag kam ich in Sligo an und fuhr erst mal zum Supermarkt, um alle Vorräte aufzufüllen und dann ab zum Radladen Nr. 1. Der hatte keine Zeit und keine Lust und keinen Mechaniker da und ich sah mich schon mit 2 Gängen weiter fahren, jedoch nicht wirklich, da ich bereits durch die dauerhafte Überbelastung links Knieschmerzen und rechts meine Achillessehne merkte. Ich fuhr dann zum Radladen Nr. 2 und war den Tränen nahe, da ich nicht wusste, ob er mir hilft. Im Radladen angekommen meinte der Monteur ich solle meine Handynummer da lassen und er ruft mich an, wenn er Zeit hat. Ich erklärte Ihm dann meine Situation mit dem Rennen und das ich nirgendwo hingehen könnte. Er verstand meine Situation und installierte dann einen neuen Shifter und ich musste losweinen, da ich nun wieder 22 Gänge hatte und ich weiterfahren konnte. Ich genoss meine neu dazu gewonnen Gänge und pedalierte fröhlich vor mich hin. Es ging bei schönstem Wetter an einem großen See entlang. Ich war guter Dinge und plötzlich durchfuhr mich im rechten Knie ein übler Schmerz. Irgendetwas hatte mich unterhalb des Knies gestochen. Ich fuhr weiter und dachte mir nichts dabei, bis ich merkte dass mein Knie anschwoll und dicker wurde. Da ich mittlerweile im nirgendwo unterwegs war, konnte ich auch keine Apotheke aufsuchen und so fuhr ich mit dickem Knie weiter. Das Wetter war schön und ich fand Abends einen Biwak Platz direkt am Strand auf einer Halbinsel. Mal wieder ein Dead End aber wunderschön.
273 km und 2304 hm. 22 Gänge. Geschwollenes Knie und eine kaputte Luma. Alles GUT.