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Adventskalender 2024 - Der Kalender

gilt das auch?
ich habe den bericht in 2019 verfasst, aber immer, wenn nach kälte gefragt wird, fällt er mir wieder ein:

so, bevor ich morgen einen neuen versuch über 300 km starte, hier ein kurzer bericht von meinem scheitern beim brm 400 ab wuppertal.
ich bin durch verschiedene umstände eigentlich seit 2 jahren wenig gefahren, das macht sich langsam im abbau der form bemerkbar.
dieses jahr im januar und februar fuhr ich zwar dreimal 200km als brevet, aber ansonsten vielleicht noch maximal weitere 300 km.
im märz konnte ich wegen hartnäckiger grippe gar nicht aufs rad, den 300er anfang april musste ich wegen zu starkem heuschnufen auch absagen.
inzwischen geht es wieder, und so bin ich dann an letzten samstag in wuppertal zum 400er angetreten.
in anbetracht des derzeitigen wetters kann man sich kaum vorstellen, wie es noch letzte woche war.
bis paderborn hat es mit kurzen unterbrechungen immer wieder schnee- und graupelschauer und gegenwind gegeben.








dort war ich so gerade noch in der zeit, der wetterbericht gaukelte besserung vor, aber dem war nicht so.
viel regen und schneeregen, ich mußte in der kälte um 2°+ wegen durchnässter handschuhe frierend immer wieder ins ec hotel, mich auftauen.
da wurde klar, daß es trotz leichtem rückenwind, der aber nachließ, nicht reichen würde.
die kontrolle bei ca 300 km erreichte ich schon nicht mehr in der zeit, beschloß aber, mich dort auszuruhen, eine stunde zu schlafen und trotzdem zum startort mit dem rad zurück auf der strecke zu fahren.
das waren bittere trainingskilometer!

das meral hat wie gewohnt gut funktioniert, einzig den umwerfer möchte ich doch gegen einen für compact abstufung tauschen, merkwürdigerweise wirft der verbaute für standardkurbel die kette neuerdings nach rechts ab, trotz sorgfältiger justage der begrenzerschraube...
da will ich mal einen nominell geeigneteren werfer probieren.
 
Von mir eine wahre Geschichte aus dem Winter 2018.
Damals fuhr ich noch Brevet, und zwar bei jedem Wetter. Zur Vorgeschichte muss man wissen das ich Ende 2017 ein Video von einem 200 km Winterbrevet durch Wales bei Youtube sah. Die Protagonisten fuhren mit Rennrädern durch die verschneiten Hügel von Wales. Das hat mich so fasziniert das ich es auch erleben wollte.
Die Niederlande waren zwar nicht Wales, aber was solls.
Hier also mein Erlebnis:

Am ersten Samstag im März startete ich meinen zweiten Brevet 2018. Über Nacht gab es eine böse Überraschung, der späte Winter bescherte einige Zentimeter Neuschnee in NRW. Ich erkundigte mich bei Moni ob der Brevet überhaupt statt fand, um die 120 km nach Twisteden am Niederrhein nicht umsonst zu fahren. Die Antwort war positiv und so verstaute ich mein Mücke Randonneur mit den 25 mm Rennreifen im Kofferraum und machte mich auf den Weg.
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Zum Glück ahnte ich nicht was wirklich auf mich zukam. Start war um 9 Uhr bei -4 Grad Celsius und ich dachte in meiner Naivität das die meisten Straßen bis dahin geräumt wären. Von 220 angemeldeten Randonneuren standen lediglich 38 am Start. Die Landschaft war weiß, genau wie die Straßen.

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Als wir gegen 9:10 Uhr starteten fuhren wir durch den noch fast unberührten Schnee. Es fuhr sich besser als gedacht. Doch ich musste noch einmal anhalten, da mein linker Cleat vereist war und nicht im Pedal einklickte. Nachdem das Problem behoben war startete ich eine kräftezehrende Aufholjagd um Ralf einzuholen, der weiter vorne fuhr. Es ging nach einem kleinen Bogen über die niederländische Grenze und dann zur Maas.

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Auf den Geraden pflügte ich mit 26 bis 28 km/h durch den Schnee, um dann ganz vorsichtig um die engeren Kurven zu fahren. Das einzige Velomobil im Feld hatte auf den verschneiten Straßen Probleme und war langsamer. Auf den wenigen freien Straßen konnte er dann aber seinen Geschwindigkeitsvorteil ausspielen. Es ging ein Stück die Maas entlang und dann über den Fluss Richtung Venray. Danach passierten wir Horst und Tegelen. Und kamen wieder zur Maas hinter Venlo. Nach ca. 20 km hatte ich Ralf bereits nur noch wenige hundert Meter vor mir.

Leider kamen wir jetzt auf Straßen die zwar nicht geräumt, aber wo der Schnee durch viele Autos bereits stark komprimiert war. Immer wieder brach mein Hinterrad aus und ich hatte Mühe es wieder einzufangen. Ich musste Tempo raus nehmen und Ralf entschwand am Horizont. Ich wurde immer langsamer, da das balancieren des Rades doch sehr kräftezehrend war. Nun wurde ich von einigen Teilnehmern mit dickeren Reifen wieder eingeholt. Ich fand aber keine Gruppe die mir von der Geschwindigkeit zusagte, und so fuhr ich weiter alleine.


Die Niederländer eroberten die zugefrorenen Teiche mit ihren Schlittschuhen. Winteridylle pur. Wir wurden mit unseren Rennern mit teilweise schmalen Reifen allerdings angeguckt als wären wir bescheuert. Ein bisschen mussten wir das wohl sein um bei solchen Bedingungen zu fahren.
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An der Maas war es besonders gefährlich. Festgefahrene Spuren und gefrorener Schnee machten die Straße zu einem Schlingerkurs. Ein Königreich für ein Mountainbike mit Stollenreifen. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit war bereits deutlich gesunken und ich musste mich die ganze Zeit konzentrieren und stand unter Anspannung. Bloß keinen Sturz riskieren.
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Immer wieder kamen wir durch nette kleine Orte mit interessanten Bauten, die ich mir gerne genauer angeschaut hätte. Aber so viel Zeit war leider nicht.


Den schmalen Höhenweg über der Maas schob ich lieber, genau wie einige andere Teilnehmer. Dafür war mein armes Mücke einfach nicht gebaut.
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Auch der ein oder andere automobile Klassiker stand am Wegesrand. Ist sie nicht schön, die Göttin im Schneemantel? Französische Avantgarde in den Niederlanden.


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Die Schleuse Sluis Panheel am Kanal Weesern-Nederweert. Ich näherte mich endlich der 1. Kontrolle.



De Pannekoekebbakker in Thorn bakkt echt lekkere Pannekoeke. Hier war die 1. Kontrolle nach 78 km und gleichzeitig eine erstklassige Labestation. Ich genehmigte mir einen Pfannkuchen mit Champions und Käse. Kraft tanken für die nächsten Kilometer. Hier traf ich dann Ralf wieder. Er beschloss abzubrechen und mit dem Rad nach Mönchengladbach zum Bahnhof zu fahren, ca. 50 km. Ich überlegte auch abzubrechen, entschied mich aber dann dafür doch nicht aufzugeben. Wir verabschiedeten uns.


Wie Ralf vorhergesagt hatte, wurde es dann am Kanal Weesern-Nederweert noch mal richtig glatt. Ich versuchte in der schmalen freien Spur zu bleiben, aber das gelang nicht immer. So kämpfte ich mich langsam über den glatten Weg. Erst nach ca. 12 bis 15 km hinter Nederweert verließ die Route den Kanal. Die Verhältnisse wurden deutlich besser und es ging über schneefreie Straßen. Der Schnee wurde generell immer weniger. Sogar die Sonne kam fast raus. Trotzdem war es noch relativ kalt. Weitere Stationen waren Asten und Deurne. Jetzt war zwar der Schnee weg, dafür spielte immer öfters der Wind eine Rolle. Doch ich lag immer noch so gut in der Zeit das es für mich außer Frage stand, das ich es in der Zeit schaffen würde, wenn die Verhältnisse so blieben. Und es blieb so, auch mit dem Wind. Aber der tat meiner Moral keinen Abbruch.


Nach 139 km erreichte ich De Korenbloem in Oploo, eine Windmühle von 1800. Also auch ein echter Klassiker. Weiter fuhr ich nach Sint Anthonis. Von hier waren es nur noch ca. 14 km bis zur 2. Kontrolle. Dann kamen Haps und Vianen.
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Dann fand ich im ländlichen Gebiet diese kleine Bühne aus Schlagzeugteilen. Echt skurril und liebenswürdig. Kurz vor der 2. Kontrolle in Cuijk wurde es dann noch einmal spiegelglatt. Zum Glück war es noch hell und ich sah es sofort. Mit äußerster Vorsicht fuhr ich die ca. 50 bis 75 Meter über den Platz. Die Straße dahinter war wieder frei. Eine Stunde vor Ende des Zeitfensters erreichte ich die 2. Kontrolle an einer Tankstelle. Hier hielt ich mich nicht lange auf. Noch knapp 40 km bis ins Ziel und genug Zeit. Jetzt wurde die Fahrt wieder etwas schneller und der Wind kam meistens von der Seite. Warnweste und Licht hatte ich bereits an der Tankstelle angezogen bzw. eingeschaltet. Jetzt ging es ohne Pause durch. Südlich fuhr ich ein Stück an der Maas entlang und erreichte Gennep.
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Hier überquerte ich die Maas und erreichte schließlich Nieuw-Bergen. Nun war es nicht mehr weit nach Twisteden. Auf den letzten Metern wurde es noch mal glatt. Um mich nicht noch kurz vor dem Ziel abzulegen, fuhr ich langsam über den verschneiten Rand des Weges. Der Weg selber sah spiegelglatt aus. Gegen 21 Uhr, 1,5 Stunden vor Zielschluss erreichte ich nach knapp 200 km mit meinem treuen Mücke das Vereinsheim in Twisteden. Wir hatten es geschafft. Die Durchschnittsgeschwindigkeit war etwas langsamer als die Woche zuvor in Maastricht, aber das kompensierte ich durch weniger und kürzere Pausen. Drinnen gab es leckere Tomatensuppe von Moni und schön heißen Kaffee. Und nette Gespräche mit den noch Anwesenden. 10 Fahrer/innen standen noch aus. Ich blieb bis nach 22:30 Uhr, bis die letzten auch im Ziel und versorgt waren. Jeder Teilnehmer wurde mit Applaus empfangen. Das fand ich gut. Denn es war wirklich von Allen eine gute Leistung bei den Bedingungen. Vielen Dank auch an Moni und Michael für diesen tollen Brevet. Wir sehen uns Ende März beim 300er wieder.


Und jetzt noch eine Frage, die vielleicht manche beschäftigt. Muss man bescheuert sein um bei solchen Bedingungen zu fahren? Auf jeden Fall! Aber ehrlich, welcher vernünftige Mensch würde generell 200 km oder mehr am Tag mit einem Fahrrad fahren? Ich bin jedenfalls froh das ich so bescheuert war und durchaus etwas riskiert habe. Mental hat es mich stärker gemacht. Gerade die Überwindung der Zweifel, die ich zwischendurch immer wieder hatte, war wichtig für mich. Ich habe nicht aufgegeben, und ich habe es geschafft. Und mein Mücke ist das Beste was ich bisher bei Brevets gefahren bin.

Würde mich gerne für die pink/lila farbene Mütze bewerben, fürchte nur das die mir zu klein ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich fahre eigentlich bei "schlechtem Wetter" sehr gerne, eigentlich war vor fast genau einem Jahr ein ziemlich großes Wort ...
Eine Tour mit dem Crosser von Eggenburg nach Krems a.d. Donau mit An- und Abreise im Zug war geplant und aufs Navi geladen. Anfangs war auch alles wie ichs mir vorstellte, Wetter grau aber trocken und leichter Schnee am Boden:

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Ca. 15 km vorm Ziel in Krems ließ mich dann mitten in den Weinbergen mein Navi im Stich und ich musste auf Sicht navigieren, nicht leicht in der Suppe:

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Kurze Zeit später hätte ich das Navi aber eh nicht mehr erkennen können, denn das Wetter schwenkte um und es begann ein eisiger dichter Schneeregen. Zum Glück habe ich ja eine Fahrradbrille mit orange getönten Gläsern für solche Anlässe dabei ...
Oder auch nicht, die muss mir aus der Tasche gefallen sein und verschmutzt seither wohl den Wald.
Also mit zusammengekniffenen Augen durch den stechenden Eisregen bis zum Bahnhof. Am Ziel bin ich komplett eingeschneit, symbolhaft hier die VR-Bremse:

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Natürlich verpasse ich meinen Zug und muss 40 min auf den nächsten warten. Eigentlich ja nicht so schlimm, aber im ungeheizten zugigen Wartehaus, klatschnass, tropfend und hungrig, waren es sehr lange Minuten. War trotzdem ein schöner Tag :)
 
Waren da mehr als 18°, weil du kurze Hosen trägst?
Beim Rennen ist das etwas anderes, besonders beim Cross wird einem ja gut warm und oft sind kalte nasse Klamotten schlimmer als keine. Aber wirklich kalt war es auch nicht, sonst wäre ich ja nicht so nass gewesen.
 
Sehr schöne Erlebnisberichte. Mein Morgenkaffee war heute früh besonder lecker. Genau so habe ich mir das vorgestellt 🤩

@roykoeln und @Vaang schreibt ihr bitte dazu ob ihr die kleine Mütze (in pink/blau) oder die große (in grau/beige) wollt.
@Sonne_Wolken wir Frauen haben nicht zwangsläufig die kleineren Köpfe. Mein Kopfumfang ist 57, für mich muss ich solche Mützen immer etwas tiefer stricken da mein Kopf relativ hoch ist (bzw. meine Haare bauen auch recht dick auf, Helm suche ist eine Pest). Da sie nicht für mich ist, habe ich das nicht gemacht. Von der weite passt sie mir gut, von der tiefe ginge es mit etwas wohlwollen auch. Da es Strick ist, ist es recht dehnfähig, viel größer sollte der Kopf jedoch nicht sein.
 
Mit der Geschichte hab ich schon einmal am Kalender teilgenommen. Deshalb gerne außer Konkurrenz 🙂


Edit: Kinder, wie die Zeit vergeht! Mittlerweile ist das Rad schon lange an den Nachwuchs weitergegeben und wird täglich auf dem Weg zur Arbeit genutzt/verranzt 😉
 

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So richtig winterliche Verhältnisse sind bei uns ja mittlerweile sehr selten. Aber eine Tour fiel mir doch wieder ein. Anhand dieses Bildes kann ich sagen, das es am 01.12 2017 war.
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Ich war unterwegs bei etwa -3° mit meinem Bergwerk MTB.
Bergwerk Mercury 2.jpg

(Das Bike-Bild stammt nicht von dem Tag)

An obigem Bach eine kurze Pause eingelegt, dann wieder gefahren, und nach ca. 50Meter einen Platten, hatte mir einen Dorn eingefahren.
Schlauch, Pumpe und Reifenheber natürlich dabei, und als ich wechseln wollte habe ich gemerkt, das ich dieses Teil....
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....von dieser Topeak-Pumpe...
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...verloren hatte.
Ich dachte mir, das heisst jetzt schieben bis zum nächsten Haltepunkt der Regionalbahn, ca. 3Km. Dann fiel mir ein das ich das Teil ja evtl. bei der Pause verloren habe, als ich das Handy aus der Winterjacke nahm.
Könnte ja sein.
Also die 50 Meter zurück, und nach nicht mal langem Suchen habe ich das Teil wieder gefunden.
Glück gehabt, die Pumpe habe ich heute noch, funktioniert tadellos, wenn alle Teile dran sind....
😉😉😉
Wie man auf dem Foto vom Bike sieht, habe ich danach auch dort noch eine Pumpe angeschraubt.
Grüße Michael
Edit: @samsara ich würde die grosse Mütze nehmen
 
Zuletzt bearbeitet:
Februar 21, Corona hatte uns alle im Griff und ich musste raus.
Temperatur aus der Erinnerung -30C (denke es waren um die -10)

Das Arbeitsgerät ein Vagacini welches ich tatsächlich schmerzlich vermisse.
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Die Strecke ging erst durch den Wald

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Dann über das freie Feld


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Beide schmutzig, aber glücklich
Ich
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Das Vagacini
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Mütze wäre L/XL wohl die richtige
 

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Bei mir beschränkte sich das Radfahren im Winter vor dem Erwerb des Velomobils normalerweise auf kurze Runden mit dem Crosser oder die alltäglichen Besorgungsfahrten in der Stadt. Eine Erfahrung wäre da aber die ich teilen kann, weil sie mir in denkwürdiger Erinnerung geblieben ist.

Es muss im Herbst 2018 gewesen sein. Ein goldener und verhältnismäßig warmer Herbst mit viel Sonnenschein. Die Tage waren noch lange angenehm warm und die Nächte mild - weswegen ich eines Tages in die Falle geriet.
Tagsüber war ich mit dem Rad in Hannover. Die Strecke von Hildesheim, wo ich wohnte, zur Uni in Hannover konnte ich fast blind fahren. Meistens fuhr ich die 35km am späten Vormittag nach Hannover und erst Nachts zurück. So auch an diesem zunächst sehe schönen Tag. Nach wenigen Vorlesungen ging es in den Park, danach in eine Kneipe und dann noch auf eine WG-Party. Als ich kurz vor 0Uhr den Entschluss fasste mal nach Hause zu radeln waren die Temperaturen stark gefallen. Damit hatte ich nicht gerechnet, sodass ich nur schlecht darauf vorbereitet war. Ich hätte in den Zug steigen sollen aber dachte mir "das geht schon irgendwie". So war es auch aber ich habe erbärmlich gefroren. Unterwegs in den Zug zu steigen funktionierte dann irgendwie nicht mehr. Weil keiner mehr fuhr, glaube ich. Ich erinnere mich gut daran wie ich die letzten 10km mit hoher Trittfrequenz und brennenden Oberschenkeln gefahren bin. Mit leicht angezogener Bremse. Wenn ich aufhörte zu treten begann ich sofort zu zittern.

Ich möchte keine Mütze. Die haben sich andere verdient. Brevet im Winter? Leute Leute...
 
Zuletzt bearbeitet:
Als Schönwetterfahrer bei Wohlfühltemperaturen bin ich bei diesem Thema raus. Beim Lesen der Beiträge hab ich gleich mal die Heizung höher gedreht. Da geh ich lieber in meinen Schrauberkeller mit angenehmen Arbeitstemperaturen 😄
+'1, von daher bin ich auch raus aus dem Türchen 😁.
 
Unglaubliche Geschichten (was bin ich für ein Weichei) und da fehlen noch einige "übliche Verdächtige: @ms83 @Ivo @Bonanzero usw @rudifix wollte ich ins Rennen schicken nach seinem Auftritt Anfang des Jahres bei den Deutschen Crossmeisterschaften in Radevormwald
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Nach einer 10km Schlitterpartie mit 23gern auf fester Schneedecke nach Lennep sind wir mit der gut geheizten Eisenbahn prima in Köln angekommen.
aber ich bin mir sicher, dass er heftigere Geschichten im Archiv hat.

Ich weigere mich mitzuentscheiden. Stattdessen bin ich dafür, dass @samsara fortan in ihrer freien Zeit nur noch L/XL - Mützen strickt, um alle Preiswürdigen zu versorgen. Dann hätte @Yellowhorse auch Chancen, im WP nicht mehr von einem "Mädchen" bedrängt zu werden.
 
Ich weigere mich mitzuentscheiden. Stattdessen bin ich dafür, dass @samsara fortan in ihrer freien Zeit nur noch L/XL - Mützen strickt, um alle Preiswürdigen zu versorgen. Dann hätte @Yellowhorse auch Chancen, im WP nicht mehr von einem "Mädchen" bedrängt zu werden.
Ich bin schon sehr froh, dass es hier so gut ankommt (auch wenn die meisten nicht geschrieben haben, welche größe). Bei selbstgestricktem scheiden sich die Geister, die einen verdrehen nur verächtlich die Augen, die anderen sind hin und weg.
Da ihr alle genug Fahrradkram habt und wir hier einen Wollthread haben, dachte ich, ich wage es mal.
Hab noch etwas Wolle vom Babystricken übrig und der nächste Adventskalender kommt bestimmt, falls also großes Interesse an Mützen bestehen sollte, mich rechtzeitig nächstes Jahr dran erinnern 😉 Das Material ist entsprechend weich und kratz nicht.
 
Spitzen-Türchen: Materialauswahl, Motiv und Arbeitseinsatz. Trotzdem außer Konkurrenz, weil letztes Jahr schon gepostet. Der Schnee-Wahnsinn war genau am 1. Dezember letzten Jahres.
Tolles Türchen, da mach ich auch mal wieder mit. Noch gar nicht lange her, da hats ziemlich viel geschneit.
Anhang anzeigen 1368664Ich wollte mir die schöne Winterlandschft anschauen und gurkte ein bisschen rum.
Anhang anzeigen 1368676Kein Klassiker aber immerhin Columbus Cromor Tretubi.
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Im Wald krachte es hier und da. Ich hab mir erst nichts dabei gedacht, aber als ich hier vorbeikam, war ich plötzlich motiviert, den Wald zügig wieder zu verlassen. Es kamen ziemlich dicke Äste unter der Schneelast runter.
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Unglücklicherweise war es noch ziemlich weit bis zum Waldrand und es wurde immer unwegsameres Geläuf. Teilweise war kein Weg mehr zu erkennen, die Schutzbleche setzten zu und ich musste durch den Tiefschnee schieben. Praktischerweise wurde es auch langsam dunkel.
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Irgendwann war ich dann wieder auf der Straße.
Anhang anzeigen 1368672 Meinen Tacho habe ich irgendwo im Schnee verloren, war dann aber froh wieder heil daheim angekommen zu sein.
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Anhang anzeigen 1368674
Anhang anzeigen 1368675
Im Nachhinein hatte dieser Ausflug auch nicht viel mit Intelligenz zu tun. Trotzdem sind es gerade solche Touren, wo man echt herausgefordert wird, an die man sich gerne wieder erinnert...
Dazu ein paar frische Bilder von heute Früh:
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Jeder hat ein „like“ verdient, der bei diesen widrigen Straßen- und Temperaturverhältnissen mit dem Rad unterwegs ist. Ich fahre hier hier im Sauerland auch bei Wind und Wetter. Am fiesesten ist, finde ich, auf vereisten Wirtschaftswegen rum zu kriechen oder Blitzeis überzogene Schotterpisten zu meistern.
Das einzige was ich erlebt habe, war vor Jahren bei schönstem Sonnenschein und -5 Grad eingefroren Füße zu haben. An einer Ampel musste ich anhalten, Füße raus aus den Pedalhaken und zack lag ich da auf der Straße da ich kein Gefühl mehr in den Füßen hatte. So ungefähr wie der Protagonist aus „Männer auf Rädern“ der mit seinen Klickis nicht zurecht kam!
 
Die von samsara für Türchen 5 gestrickten Mützen sind wirklich sensationell und so möchte ich mein Glück ebenfalls mit einer Geschichte versuchen.
Nur welche, das ist die Frage. Natürlich fallen mir da ein paar gute ein, die Silvestertour meines Heimatvereins bei Eisregen, Trainingsfahrten im Schneetreiben, der Selbstversuch, wie es sich bei unter minus 20 Grad auf dem Rennrad anfühlt.
Das alles am besten schön bebildert.
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Schneetreiben
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Radfahren bei -22 Grad. Sieht auf dem Bild eigentlich nicht kalt aus.

Aber wenn ich an Kälte denke, denke ich immer spontan an eine Fahrt aus dem Jahr 2007 zurück. Nach einem schweren Verkehrsunfall 1996 war radfahren eigentlich weitgehend vorbei gewesen.
Irgendwann hatte ich ein ATB mit Dreifachkurbel gekauft, um mal ein paar Kilometer im Umkreis zu fahren, zum Supermarkt, Freunde besuchen. Erst im August 2006 kaufte ich wieder ein Rennrad.
Ein Simplon Exos mit 3x9 Ultegra.
Bald trainierte ich regelmäßig und endlich, im September 2007 konnte ich die Ultegra gegen eine DA mit 53/39 tauschen. Auch mein allseits bekanntes Bianchi hatte ich in diesem Jahr gekauft.
Da ich ein paar Tage Zeit hatte, wollte ich in die Berge zum „spielen“.
Also fuhr ich nach Nauders und quartierte mich dort ein. Am 11.09. gab es gleich nach Ankunft eine schöne Runde nach Melag hinauf und um den Reschensee, am 12.09. fuhr ich mit dem Auto nach Pontresina am Fuße des Berninapasses, parkte den Wagen und fuhr durchs Engadin und über Ofenpass und Reschen zurück nach Nauders.

Das Trainingstagebuch von damals notiert dazu dann für den 13.09 folgendes:

Reschen - Glurns - Prad - Silfser Joch - Pso. die Foscagno - Pso. d‘Eira - Livigno - Forcola die Livigno - Berninapass - Pontresina. 155,42 km in 8:16:00 (18,7).
4100 hm.

Das klingt eigentlich recht harmlos. Allerdings habe ich zwei Dinge völlig falsch eingeschätzt. Erstens die Mitte September schon kürzeren Tage und zweitens, dass es im Gebirge einfach sehr schnell sehr kalt wird, auch wenn der strahlende Sonnenschein dieser Tage etwas anderes suggeriert.
Und so fuhr ich frohgemut in kurzen Klamotten nur mit einem Windbreaker für die Abfahrten ausgerüstet nach ausgiebigen Frühstück los. Die Trinkflaschen gefüllt und ein Riegelchen in der Tasche. Unterwegs würde ich halt machen, auftanken und etwas zu essen kaufen. Der Raureif im Schatten der Bäume auf den Wiesen neben dem Radweg den Reschen hinauf zeugten auch am späten Vormittag noch von der kalten Nacht. Ein bisschen fror ich und überlegte, ob ich doch nicht noch einmal zurückfahre um Armlinge und Beinlinge in die Trikottaschen zu stopfen. Aber hatte ich nicht extra mit der Abfahrt gewartet, damit es etwas wärmer würde. Umkehren würde weitere 20 Minuten Verspätung bedeuten. Also verließ ich mich auf die Sonne die es ab jetzt immer wärmer werden lassen würde und tatsächlich, in Italien den Reschen nach Prad hinunter fühlte es sich gut an.
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(Sorry für die schlechte Qualität der Fotos, 2007 mit einem alten, auf der Linse schon verschrammelten Nokia aufgenommen und heute vom alten Rechner abfotografiert)
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Um 14:00 Uhr hatte ich endlich auch das Stilfser Joch erreicht. Es sieht nach Plus 20 Grad aus. Tatsächlich war die Luft da oben nur knapp über dem Gefrierpunkt, was ich auf der Abfahrt auch gleich zu spüren bekam. Aber was soll’s. Mit jedem Meter abwärts wurde es milder und in Bormio würde ich mich verpflegen. Danach würde es wieder bergauf gehen und der Körper wäre schnell wieder warm. So war der Plan.

„Planung heißt, den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen!“

Noch bevor ich Bormio erreichte konnte ich rechts in Richtung Livigno abbiegen. Prima. Eine Abkürzung. Nicht so gut. Hier war kein Laden, keine Tankstelle, nichts. Aber es würde sicher etwas kommen, so dachte ich. Falsch gedacht. So fuhr ich die schöne Straße nach Livigno dahin und saß sprichwörtlich auf dem trockenen. Nichts zu essen, nichts zu trinken und so dauerte es nicht lange, bis der Hammermann anklopfte und ich langsamer wurde. Quälend langsam. Umdrehen. Zurück nach Bormio. Das hieße 500 Höhenmeter wieder herschenken und zeitlich war es dann keinesfalls mehr bei Helligkeit zu packen.
Ein Rücklicht hatte ich gar nicht, für vorne nur ein Notlicht, das mir geradeso die Fahrt durch den Tunnel am Stilser Joch ermöglicht hatte, wobei ich ohne die Lichter der Autos wohl in der Kurve im Tunnel gegen die Wand gedonnert wäre.
Also weiter, weiter bis Livigno. Livigno ist meine einzige Hoffnung, meine einzige Chance. So erreiche ich den Foscagno. In der kurzen, durch die inzwischen tiefstehende Sonne schattigen Abfahrt vor dem Anstieg zum Eira wird mir kalt. Daran ändert auch der Anstieg nun nichts mehr.
Auf dem Pso d‘ Eira, auf knapp 2300 m Höhe sehe ich an diesem Tag zum letzten mal die Sonne. Das Tal und Livigno liegen schon im Schatten der umgebenden Berge.
Klappernd vor Kälte, Hunger und Durst betrete ich den den Einkaufsladen in Livigno. Alles ist in sehr billig, Cola für den schnellen Zucker, Wasser und Apfelsaft für die Trinkflaschen, Kuchen, Salzstangen.
Trotzdem hilft es nichts mehr, denn das alles kommt um Stunden zu spät. Zitternd esse ich, fülle die Flaschen, fahre weiter in der Hoffnung, dadurch Wärme in den Körper zu bekommen. Auf der langen Geraden aus Livigno hinaus weht mir zu allem Überfluss ein strammer, vor allem aber kalter Wind entgegen. Aber was sehen da meine Augen, nur etwa einen halben Kilometer vor mir ein anderer „Bekloppter“.
Die Straße führt von hier aus nur Richtung Forcola di Livigno. Ein Mitstreiter gegen den Wind und die einsame Straße käme mir gelegen. Also mobilisiere ich die letzten Kräfte in der Hoffnung, wieder etwas sparen zu können, wenn ich nur rankäme.
Tatsächlich hole ich diesen Fahrer nach nur 5 Minuten Kampf schneller ein als gedacht.
Der Fahrer ist groß und übergewichtig und das zulässige Systemgewicht des Rennrades unter ihm sprengt dieser Mensch locker. Freundlich grüßend schiebe ich mich neben ihn. Er grüßt ebenso freundlich und fragt gleich, ob ich auch in Livigno Urlaub mache. Ich erkläre ihm, dass ich in Nauders mein Quartier habe, wo ich heute morgen losgefahren bin und jetzt noch nach Pontresina muss, da dort mein Auto steht und frage, ob er denn noch bis zur Passhöhe fahren würde. Er aber meinte, er fährt immer nur ein paar Kilometer im Tal herum. Jetzt sei es ihm aber eigentlich zu kalt und zu windig und er werde jetzt umkehren. So blieb ich allein zurück und wenn man sich sonst auch wünscht, keinen Autoverkehr zu haben, so hätte wenigstens ein Auto meine inzwischen eisetzende Verzweiflung etwas mildern können. Eventuell hätte man ja einen freundlichen Menschen getroffen, der einen per Autostop mitnimmt. So aber kämpfte ich alleine einen immer aussichtsloser erscheinenden Kampf gegen die zunehmende Dunkelheit und Kälte und denke: Warum habe ich Idiot nicht genug Geld für ein Hotelzimmer mitgenommen. Irgendwann war der Pass überquert, die kurze Abfahrt zur Berninastrasse geschafft und der letzte Anstieg des Tages erreicht.
Ein letzter, eiskalter Schluck aus der Trinkflasche, den Rest entleerte ich auf die Straße. Nur kein Gramm zuviel hochschleppen. Oben angekommen bin ich einerseits erleichert, andererseits stehen mir noch 15 Kilometer Abfahrt bei Dunkelheit ohne wirkliches Licht und bei inzwischen minus 5 Grad in kurzen Sommerklamotten bevor. Dann stehe ich endlich schlotternd und bibbernd am Auto.
Schnell das Rad rein und den Motor an.
Die Heizung auf volle Pulle. Ich beginne davon zu träumen, wie es sein wird, in Nauders, eine warme Dusche und dann essen gehen. Ein Schnitzel mit Pommes, eine Pizza, Kässpatzen, Kaiserschmarren zum Nachtisch. Was werde ich mir wohl bestellen. Am besten einfach alles.
Die Wirklichkeit sah anders aus. Trotz der voll aufgedrehten Heizung zittere ich immer noch, als ich endlich in Nauders ankomme, auch die warme Dusche ändert daran nichts, um noch essen zu gehen ist es inzwischen viel zu spät und so kuschele ich mich unter die Bettdecke, esse Kekse, Chips und Obst, dass ich am Vortag gekauft hatte und schalte den Fernseher ein und schlafe erst sehr spät, weil mir immer noch kalt ist ein.
Noch nie habe ich so lange und vor allem so nachhaltig gefroren wie damals. Rückblickend habe ich meinen Körper auf dieser Fahrt wohl tatsächlich bis an die äußerste Grenzen der Leistungsfähigkeit gebracht. Noch mehr hätte vielleicht auch gefährlich werden können und so war es eigentlich dumm. Aber andererseits ist es ja alles gut ausgegangen und was wäre das Leben, machte man nicht wenigstens ab und zu eine Dummheit. Wäre doch auch irgendwie fad, oder?
 
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