Kurze Nachfrage: Es gibt den Schuh sowohl mit Mikrofaser als auch Leder (gemäss Artikelbeschreibung). Gleicher Preis. Gibt es da Vor-/Nachteile die man kennen sollte?
Edit:
Scheint mir eine wichtige Info zu sein, da ich die Schuhe mit Mikrofaser in Gr. 40.5 zu Hause hatte, frage ich, kann ich wohl nicht davon ausgehen, dass beim Lederschuh die selbe Grösse auch nicht passt. Oder anders gesagt: Wenn Mikrofaster bei Gr. 41 passt, heisst es noch lange nicht, dass das auch bei Leder der Fall ist.
Fahre seit über 25 Jahren Lake. Mikrofaser ist noch relativ neu, gab's ganz früher gar nicht, dann nur als spezifisches Sondermodell. Hintergrund ist, dass Lake in den Vergleichstests der Magazine beim Gewicht immer schlecht abgeschnitten hat - abgesehen von den Känguruhledervarianten. Aber das waren anfangs nur die 400er Reihen (gab's auch mal als MX!), jetzt auch die 330er. Erwachsene würden natürlich immer Leder wählen. Ohnehin findet die Olfaktorik in Tests der üblichen Verdächtigen in meinen Augen viel zu wenig Berücksichtigung. Würde man das angemessen gewichten, gäbe es auch sicherlich noch mehr Hersteller, die nach wie vor mit Leder arbeiten würden.
Alle Lake Modelle - und das schon seit vielen Jahren - leiten sich im Wesentlichen aus der Kombination von drei Sohlen, drei Ledersorten und - noch nicht ganz so lange, aber auch schon einige Jahre - dem Vorhandensein der anpassbaren Carbon-Fersenkappe sowie unterschiedlichem Innenfutter und neuerdings Flexcarbonverstärkungen an den Seiten ab.
Während ältere Lake auch schmalen Fersen einen sehr guten Halt boten, ist das nach Eigentümer- und mindestens zwei Lieferantenwechseln schon länger nicht mehr der Fall. Wer nicht über eine wirklich erstaunlich dicke Ferse verfügt, und das sind die allermeisten, kommt um die modellierbare Kappe nicht herum. D.h. der eigentliche Spaß beginnt für viele erst beim 242er.
Das billigste Leder - ActionLeather - ist ein ziemlich dickes und damit schweres Spaltleder. Passt sich mit der Zeit aber wie alle Leder sehr gut an die Fußform an. Material im Prinzip wie Autositze.
Darüber rangiert, leichter, geschmeidiger, dünner, aber eben auch strapazierfähiger, Full Grain Leather (). Also wie der Name schon sagt Narbenleder. Auch wie Autositze - wenn man Bentley fährt. Das ist schon ziemlich super.
Dann kommt KLite, also Känguruhleder. Das ist der reine Luxus.
Anders als bei anderen Herstellern - z.B.
Shimano, Northwave - sind alle Sohlen absolut steif genug, auch die aus GFK. In einem Vergleichstest der BIKE von günstigen XC-Schuhen kam das auch mal sehr deutlich raus, war bei Weitem die steifste. Liegt auf einem Niveau mit der Topsohle (CFC), sofern diese in den 330er Modellen zum Einsatz kommt, welche man an den sechs zusätzlichen Belüftungslöchern erkennt. Dennoch ist der Tragekomfort der letzteren geringfügig besser, da diese über einen doppelten, eben belüfteten Boden verfügt. Dadurch ist die Brandsohle quasi leicht schwingend aufgehängt. Die mittlere Carbonsohle hat das nicht und ist ultrasteif. So steif, dass es durchaus vereinzelt Leute gibt, die damit schon Probleme bekommen oder das zumindest als nicht mehr angenehm empfinden.
Eine Sonderstellung nimmt die CFC-Sohle in den 400er Modellen ein. Sie unterscheidet sich von der in den 300ern dadurch, dass es wie bei Bont eine Wanne gibt, die bis nach ganz vorne reicht. Dementsprechend muss die Sohlenbreite ziemlich genau zum Fuß passen. 1-2mm wird man angleichen können, darüber hinaus ist Essig. Aufgrund des etwas schmaleren Race-Leisten kommen die 400er auch in "Wide" nicht für jedermann in Frage. Zudem senkt sich die Wanne von der Ferse ausgehend zur Fußspitze nur langsam ab. Daraus soll ein überaus schlechter Gehkomfort resultieren, was wohl auch der Grund war, warum die MTB-Variante (MX) des 400ers schon vor langem vom Markt genommen worden ist. Einen MX401 hat es nach dem MX400 noch gegeben, mit Dual Boa statt Single, aber nicht in "Wide". 2010 hat Lake diese Linie zugunsten der MX330er aufgegeben, welche bis jetzt die Topschuhe darstellen.
Wer sich für die 400er interessiert, aber unsicher ob der Sohle ist, der kann sich in diesem (Werbe-)Video ab 8:05min einen Eindruck von der Formgebung verschaffen:
Der CX402 war übrigens der Erste, der auch mit Känguruhleder gefüttert war. Dieses tolle Feature wurde erst unlängst in den jüngst erschienenen CX333 runtergereicht, wenn auch in leicht simplifizierter Form, nämlich nur im Einstiegsbreich und nicht ganz bis nach vorne reichend. Letzterer dürfte aus dem oben genannten Grund für viele Freizeitfahrer der geeignetere Schuh sein. Es sei denn, man braucht noch mehr Breite oder Volumen, dann muss es der 242er sein oder, falls die Ferse passt, reicht auch der viel ansehnlichere 238.
Das bringt mich zum letzten Punkt: 1982 von Lee Katz in Evanston am Lake Michigan (daher der Name), Vorort von Chicago, gegründet, war das bis in die späten 90er ein ganz normaler Anbieter von Radschuhen, der steife Sohlen (damals noch nicht besonders breit) mit Lederüberbau vereint hat, der vorne mehr Platz ließ. Es half dann durchaus, dass Andy Hampsten die auf seinem Weg zum Sieg beim legendären Giro '88 trug.
Aber das war damals und auch später noch keine Boutique-Marke, sondern ein Mum'n'Dad-Business. Der CX400 kam 2005, da war Lee vermutlich schon raus und die Marke hatte die Seite des Atlantiks gewechselt (und die Produktion von Korea nach China). Eine Investmentbude mit Sitz in den NL hatte die Rechte gekauft. Alle heute noch verkauften Sohlen und Grundkonzepte entstanden in der Zeit. 2012 kam es dann wohl zu so etwas wie einem Management-Buyout (mit-)finanziert von Rabobank. Während der CX400 von Anfang an sehr teuer war (die BIKE hat einen noch frei abrufbaren Test der MTB-Variante von 2006 online, da sind es UVP 360€:
https://www.bike-magazin.de/ausruestung/mtb-schuhe-bike-schuhe/schuhe-lake-mx-400/ ; Cyclingnews spricht für die Straßenversion sogar von einem US Preis von knapp 480$!
http://autobus.cyclingnews.com/tech/?id=2006/reviews/lake_cx400 , undatiert, aber muss vor 2010 gewesen sein; damit ist das Topmodell real sogar günstiger geworden - UVP aktuell (2025): 529€/549$), sind es die anderen Modelle der mittleren Range erst in der Folge geworden, obwohl sich technisch seitdem nur minimal etwas verändert hat (wieder UVP Stand heute von der Lake Website: CX333 481€; CX242 386€: CX239 338€; btw., das ist eine weitere Preiserhöhung ggüb. noch vor einigen Tagen - Bike24 hat noch die alten UVP online, nämlich 499€; 449€; 359€; 319€).
Man kann argumentieren, dass es das wert ist, weil Leder einfach toll ist und es für manche ohnehin keine Alternativen gibt. Aber ärgerlich und auch in gewisser Hinsicht schwer nachzuvollziehen ist das schon. Eine Erklärung dürfte darin bestehen, dass Lake sehr viel über Bike-Fitting verkauft wird, und man vielleicht diesen Abnehmern gute Margen einräumt, wohlwissend dass Kunden ungerne für reine Serviceleistungen zahlen. Allerdings bildet sich das nicht bei den Versendern.
Wäre interessant zu erfahren, was Lee über die ganze Sache denkt. Der leitet inzwischen ein kleines Radgeschäft in Chicago, vielleicht kommt ja einer von euch da mal vorbei und kann berichten.
https://turinbicycle.com/