Im Nachhinein ist man immer schlauer, vor allem was Prognosen betrifft
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Ich oute daher mein persönliches Pacing entsprechend meines eigenen Pacingsheets, morgen können wir hier analysieren wie genau es war…
(Startnummer 3813)
Anhang anzeigen 1287196
Mein Bericht vom Ötztaler inkl Analyse des Pacings (laut meinem Excel).
Vorweg, ich bin schon 10x gestartet, Zeit immer zwischen 8:20 und 9h.
Im Jahr 2022 8:52 auf der längeren Strecke, mit etwas Übergewicht, weniger Training. Heuer mit noch weniger Training (wegen früherem Ötzi), noch mehr Gewicht und noch weniger FTP.
Die Daten für das Pacingsheet waren:
Gewicht 74+10
FTP 280
Angsthasenfaktor 2
Damit kommen lt Plan 8:46 netto raus, + 6 Min Standzeiten= 8:52, oder anders gesagt, Sub 9 war mein Ziel.
Am Start bin ich kurz nach 5 gestanden und damit ganz vorne, die Morgentemperaturen waren um die 13 Grad, ich bin mit Ärmlingen und Gilet gestartet. Die Fahrt nach Ötz lief sehr gut, seit das Führungsauto -seit einigen Jahren- das Feld nicht mehr einbremst, ist es relativ gefahrlos, es gab keine kritischen Manöver im Feld, keinen Ziehharmonikaeffekt, keine Stürze, einfach nix!
Plan 36:10; Ist 34:17, Platz 38 gesamt, mit nur 144W, also perfekt!
Kühtai war auf 240W AVG ausgelegt, also zu Beginn versucht nie über 260W zu kommen, perfekt gelaufen, nach 30 Min war ich bei 252W, oben angekommen mit 243W nach 1:16, dazu konnte ich 120g KH flüssig aufnehmen, Oben am Kühtai 2 Flaschen von privater Labe aufgenommen, praktisch keine Standzeit.
Plan 1:18:40; Ist 1:15:54, gesamt fast 5 Min auf den Plan rausgeholt
Abfahrt vom Kühtai ohne Probleme (ca 110 km/h Spitze), aber leider keine gute Gruppe ab Kematen erwischt, hab versucht mich zu verstecken und Nahrung zu mir zu nehmen, gegenüber Plan hab ich trotzdem nochmals fast 2 Min rausgeholt, vor allem weil ich am Kühtai keine Standzeit hatte (geplant 1:20)
Beim Brenner war die zu Beginn kleine Gruppe sehr unharmonisch, im bin ja grundsätzlich der Meinung, dass man am Brenner einfach in der Gruppe bleiben soll um den Windschatten zu nutzen, die Meinung wäre zu überdenken, zwischen km 6-12 steigt es über 4%, die Gruppe ist auseinander geflogen, ich hatte im Schnitt 260W auf 15 Min, obwohl ich mich zurück fallen ließ, die HF war höher als am Kühtai. Nachdem ich unnötig Körner verschossen hatte ist eine größere Gruppe von hinten rangerollt und die Gruppe vor uns haben wir auch wieder gestellt (und das ohne viel Anstrengung). Am Brenner wieder 2 Flaschen (ohne Standzeit) aufgenommen und nochmals 3 Minuten rausgeholt (leider aber zu viele Körner verschossen)
Plan Brenner 1:14, Ist 1:11, gesamt bereits 10 Minuten vorne
Bei der Abfahrt vom Brenner nach Sterzing habe ich versucht so viele Körner wie möglich zu sparen, das ist gut gelungen, trotzdem nochmals 2 Minuten rausgeholt, gesamt schon +12 Min (hauptsächlich weil ich am Brenner bei der Labe nach der Zeitnehmung durchgefahren bin).
Vor dem Jaufen hatte ich schon ein schlechtes Gefühl. Es wurde warm, ich hatte einige unnötige Körner verschossen, aber zu meiner Überraschung ging das erste Drittel gut, ich lag 5W über dem Ziel von 230W AVG. Dann wurde es aber zunehmend mühsam, die Leistung sank und ich verlor bis zur Labe etwa 3 Minuten, dazu blieb ich bei der Labe nochmals um 2 Min länger stehen als geplant, also 5 Min verloren und nur noch 7 vorne. (die Zeitnehmungsmatte war diesmal schon bei der Labe und damit weit unterhalb des Gipfels, daher sind die Zeiten von Datasport hier nicht zu vergleichen).
Die Abfahrt nach St Leonhart verlief genau nach Plan, also weiterhin 7 Min vorne, aber die Hitze wurde unerträglich, ich war schon zu Beginn des Anstieges stehend K.O. mehr als 200W waren nicht mehr möglich, nach 20 Min musste ich tatsächlich stehen bleiben und 3 Min (im Schatten) pausieren, dann hab ich mich weiter gequält bis zu einer zusätzlichen Labe, wo ich weitere 4 Minuten verbracht habe und mich mit Wasser gekühlt habe. Mit vollen Flaschen ging es weiter nach Schönau, dort habe ich die Labe ausgelassen und bin im Flachen einfach weiter gerollt, aber beim ersten Anstieg musste ich gleich wieder eine Minute pausieren. Von da waren es rd 6 km bis zum Tunnel und ich wusste, dass ich das nur irgendwie "aussitzen" musste. Dabei hat mich ein Fahrer angesprochen, der auch mein Pacing verwendet hat und auch Sub 9 schaffen wollte, er war in einem ähnlichen Zustand wie ich, aber sein Zuspruch hat geholfen. Bei der letzten kleinen Labe bin ich nochmals stehen geblieben, hab Cola getrunken und etwas Wasser, dann war der Tunnel schon in Sichtweite. Meine Sub 9 waren längst abgeschrieben, allein am Timmelsjoch hatte ich über eine Viertelstunde verloren, davon 10 Minuten Standzeit (statt 2 wie geplant).
Oben am Timmelsjoch hatte es noch über 20 Grad, es ging daher kurz/kurz in die Abfahrt, beim Gegenanstieg hab ich mich wieder mit meinem "Pacingkollegen" hoch gequält bis es ab der Mautstation endlich nach unten ging, dabei kamen mit jedem Meter die Lebensgeister zurück, wir konnten zu zweit rund 20 Plätze gut machen, in Sölden bin ich zwar erst nach 9:05 angekommen, aber glücklich und gar nicht mal so kaputt...
Erkenntnisse:
Am Pacing(sheet) würde ich nicht rütteln, das passt aus meiner Sicht, aber es stellt halt das absolute Maximum dar, die Hitze war nicht förderlich, und fehlende Ausdauerkilometer können auch nicht einfach negiert werden. Etwas geändert habe ich meine Meinung bzw Taktik beim Brenner, hier würde ich in Zukunft vor allem den Anstieg bei km 6-12 viel konservatver angehen. Etwas lästig beim Vergleich mit dem Pacing ist, dass die Matten jedes Jahr die Position variieren, dadurch kann man die Zeiten vom Veranstalter nicht mit dem Pacing 1:1 vergleichen, wobei es größeren Unterschiede nur am Jaufen gibt, bzw damit beim Segment Jaufen und beim Segment Jaufen nach St Lenonhart, ich werde mein Sheet nicht ändern, aber in den Anmerkungen hinweisen.
Bei der Ernährung habe ich wieder auf MoN RaceCarbX gesetzt, das hat sich bewährt, allerding hatte ich heuer am dem Kühtai, eine große Flasche nur mit Konzentrat, in der zweiten Flasche ausschließlich Wasser. Das hat sich nicht so bewährt, die Handhabung ist komplizierter und es fehlt (besonders bei Hitze) eine weitere Flasche für Wasser oder "trinkfertige Mischung".
Der Organisation kann ich nur ein Lob aussprechen, sie legen jedes Jahr die Latte höher und seit das Führungsauto das Feld nicht mehr nach Ötz bremst ist es viel besser in der Startphase, nur würde ich mir mehr Startblöcke mit etwas Zeitabständen wünschen.